Aggressionen in der Schule und Möglichkeiten der Bewältigung im Sportunterricht

Institut für Sport und Sportwissenschaft Judenbühlweg 11
Julius-Maximilians-Universität Würzburg, 97082 Würzburg
SS 2000
Seminar Sportpsychologie 
Referenten: Martina Dörflein
Dozent: OstR Müller-Kaler, Simon Dörr
 

 

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung S. 2

2) Definitionen S. 2

3) Aggressionstheorien S. 3
3.1 Triebtheoretische Ansätze S. 3
3.1.1 Psychoanalytisch S. 3
3.1.2 Ethologisch S. 3
3.2 Frustrations-Aggressions-Theorie S. 4
3.3 Lerntheoretische Ansätze S. 4
3.3.1 Modellernen S. 4
3.3.2 Klassisches Konditionieren S. 5
3.3.3 Instrumentelles Konditionieren S. 5

4) Ursachen für Aggressionen S. 6
4.1 Innerpersonale Ursachen S. 6
4.1.1 Angst S. 6
4.1.2 Frustration S. 6
4.1.3 Negatives Selbstkonzept S. 6
4.1.4 Feindseligkeit, Haß, Sadismus S. 6
4.1.5 Mangelnde moralische Hemmungen S. 7
4.1.6 Stimmungslage S. 7
4.1.7 Reiz der Gefahr S. 7
4.1.8 Mangelnde Impulskontrolle, Psychische Störungen S. 7
4.2 Außerschulische Ursachen S. 7
4.2.1 Gesellschaft S. 7
4.2.2 Familie S. 8
4.2.3 Freizeit S. 8
4.2.4 Medien S. 9
4.3 Schulische Ursachen S. 9
4.3.1 Schulstruktur S. 9
4.3.2 Form der Stoffvermittlung und Lernkultur S. 9
4.3.3 Verhältnis Lehrer-Schüler S. 9
4.3.4 Verhältnis Schüler-Schüler S. 10

5) Präventionsmöglichkeiten in der Schule S. 10

6) Direkte Interventionsmöglichkeiten in der Schule S. 11

7) Interventions- und Präventionsmöglichkeiten im Sportunterricht S. 11
7.1 Ausleben von Aggressionen S. 11
7.2 Soziales Lernen durch kooperative Spiele S. 12
7.3 Entspannungstraining S. 12
7.4 Münzverstärkung S. 12
7.5 Auswahl der Sportarten S. 12
7.6 Rollenspiele S. 13

8) Anhang S. 14
8.1 Die ,,10 Verbote" S. 14
8.2 10 Regeln zur De-Eskalation in akuten Gewaltsituationen S. 14

Literaturverzeichnis S. 15


1) Einleitung

Täglich werden wir, z.B. über Medien, mit aggressiven Verhaltensweisen innerhalb unserer Gesellschaft und darüber hinaus auf der ganzen Welt konfrontiert.
Dabei ist die Aggressionsthematik nicht erst ein Problem unserer modernen Zeit, vielmehr gibt es jenes unerwünschte Handeln solange wie die Lebewesen selbst (gerade auch im Tierreich sind aggressive Reaktionen zu beobachten).
Seine Brisanz verliert dieses Thema natürlich nicht, mehren sich doch die Stimmen, denen zufolge sich Art und Intensität der Aggression bei Schulkindern zum Negativen verändert haben.
Wie können Lehrer, speziell auch Sportlehrer, Aggressionen bei Schülern (auch Autoaggressionen) vermeiden bzw. abbauen?
Welche Möglichkeiten bietet der Sport? Kann er Aggressionsstaus, wie das auf den ersten Blick einleuchtend erscheint, lösen?
Tatsache ist, daß sportliche Wettkämpfe oft mit aggressiven Verhaltensweisen, sei es auf Seiten der Sportler durch Fouls, seitens der Zuschauer durch Ausschreitungen, einhergehen.
Nach Sigurd Baumann gilt: ,,Kurzfristig kann durch Aggression im Sport ein Abbau erfolgen, langfristig steigt die Wahrscheinlichkeit des Wiederauftretens an. Einige Erkenntnisse sprechen dafür, daß unmittelbare Bestrafung ein wirksames Mittel gegen Aggression darstellt (z.B. die Rote Karte im Fußball)" (Baumann, S.128).
Zur weiteren Auseinandersetzung mit der entsprechenden Problematik bedarf es zunächst einer Klärung des Aggressionsbegriffes.

2) Definitionen

Es gibt keinen wissenschaftlichen Aggressionsbegriff, der unumstritten ist.
Typische Merkmale zur Beurteilung von Aggression sind:
· Schaden
· Intention
· Normabweichung

Aufgrund der vielen verschiedenen Definitionen werden nun nur zwei Beispiele angegeben, eine etwas weiter gefaßte und eine etwas enger gefaßte:

 

Engere Definition:
,,Unter aggressiven Verhaltensweisen werden hier solche verstanden, die Individuen oder Sachen aktiv und zielgerichtet schädigen, sie schwächen oder in Angst versetzen." (FÜRNTRATT, 1974)

3) Aggressionstheorien

3.1 Triebtheoretische Ansätze

Aggression gilt als Äußerung eines spezifischen angeborenen Triebes mit endogener, d.h. von außen unabhängiger Erregungsproduktion. Demnach ist der Mensch zur Aggression verdammt.

3.1.1 Psychoanalytisch (Freud)
Sigmund Freud geht von einer angeborenen Neigung des Menschen zum Bösen, zur Aggression, Destruktion und damit zur Grausamkeit aus.
Seiner Theorie nach besitzt der Mensch von Geburt an zwei einander entgegengesetzte Triebe:
· Lebenstrieb (Eros): Trieb, lebende Substanz zu erhalten und zu immer größeren Einheiten zusammenzufassen; liefert Energie für Wachstum und Überleben, Fortpflanzung.
· Todestrieb (Thanatos): Trieb, diese Einheiten aufzulösen und in den anfänglich anorganischen Zustand zurückzuführen; strebt nach Selbstzerstörung des Individuums.
Der Todestrieb ist ursprünglich vollkommen verinnerlicht, über die Muskulatur wird seine Energie nach außen gelenkt und wirkt sich dann als Aggression aus, während ein Teil im Innen verbleibt. Trifft der nach außen gerichtete Teil auf Hindernisse, die nicht überwunden werden können, richtet er sich wieder nach innen und vermehrt das Ausmaß der inneren Selbstdestruktion.
Freud versteht somit interpersonale Aggression als nach außen gerichteten Todestrieb und selbstschädigende Aggression als nach innen gerichteten Todestrieb.
Durch die Ableitung der Energie nach außen erfolgt ,,Katharsis", eine Art Reinigung; ein zu großes Maß an Aggressionsunterdrückung ist demzufolge schädlich.

3.1.2 Ethologisch (Lorenz)
Der Ethologe Konrad Lorenz (,,Das sogenannte Böse", 1974) stellt auf der Grundlage von Tierbeobachtungen die Behauptung auf, Aggression sei eine spontane innere Bereitschaft zum Kampf, die für das Überleben eines Organismus entscheidend sei. Dabei soll der Aggressionstrieb folgende Leistungen erbringen:
(1) Abgrenzung des Lebensraumes (Territorialverteidigung)
(2) Auslese der Stärksten und Gesündesten (sexuelle Rivalität)
(3) Ausbildung einer Rangordnung (Rangordnungsstreben).
Um eine gegenseitige Ausrottung zu vermeiden, ist jede Art mit bestimmten Hemmungsmechanismen ausgestattet.
Problem der heutigen Gesellschaft nach Lorenz: Die Tötungshemmung des Menschen funktioniert aufgrund der technischen Entwicklung (z.B. Fernwaffen) nicht mehr. Aggressionen könnten seiner Meinung nach nicht ausgeschaltet werden, sondern es müsse eine bewußte Umorientierung auf Ersatzobjekte (,,Kanalisierung") erfolgen. Hierfür biete sich besonders Sport an (,,Reinigungseffekt").

Kritik an den Triebtheorien:
· entlassen den Menschen weitgehend aus seiner Verantwortung
· bieten keine Möglichkeit zur Vermeidung der Aggression
· Katharsis-Effekt umstritten

3.2 Frustrations-Aggressions-Theorie (Miller)

Psychologen der Yale-University (Dollard, Doob, Miller, Mowrer, Sears) stellten 1939 folgende Frustrations-Aggressions-Hypothese auf: Aggression ist immer eine Folge von Frustration und auf Frustration folgt immer eine Aggression (Dollard et al. 1939, S.9).
,,Aggression ist ein erworbener (kein angeborener) Trieb, der als Reaktion auf Frustration entstanden ist. Frustration tritt auf, wenn die Ausführung einer Zielreaktion unterbrochen oder blockiert wird. Je größer die gegenwärtige und angesammelte Frustration, um so stärker die daraus resultierende aggressive Reaktion" (Zimbardo, S. 366).
Diese These war so jedoch nicht haltbar, da nicht jeder aggressiven Handlung eine Frustration vorausgehen muß und umgekehrt nicht jede Frustration in Aggression mündet.
Deshalb revidierte Miller 1941 die Hypothese in der Hinsicht, daß zwar jede Frustration eine Neigung zur Aggression hervorruft, diese Neigung aber zu schwach sein kann, um tatsächlich aggressives Verhalten auszulösen
Vorteil gegenüber Triebtheorien:
- empirisch überprüfbar
- bietet Möglichkeit, Aggressionen zu vermeiden
Nachteil:
- Schuld wird dem Verursacher der Frustration zugeschoben

3.3 Lerntheoretische Ansätze

Lerntheoretiker sehen Aggression als erworbenes, erlerntes, anerzogenes Persönlichkeitsmerkmal an.

3.3.1 Modellernen (Bandura)
Dieses Konzept des Beobachtungslernens geht davon aus, daß am Verhalten eines Modells gelernt wird, welche Verhaltensweisen zum Erfolg und zur Befriedigung eines Bedürfnisses führen. Entsprechendes Handeln wird dann nachgeahmt. Somit können menschliche Aggressionen sozial erlernt werden.
Die klassische Demonstration des Imitationslernens erfolgte in Albert Banduras Labor. Kinder einer Experimentalgruppe beobachteten, wie erwachsene Modelle eine Gummipuppe schlugen und traten. Im weiteren Verlauf des Experimentes zeigten diese Kinder signifikant öfter derartige Verhaltensweisen als Kinder einer Kontrollgruppe, die jene Modelle nicht beobachtet hatten (Bandura, Ross & Ross 1963).
Nach Zimbardo, S.260, zeigten Nachfolgeuntersuchungen, daß Kinder solche Verhaltensweisen schon dann imitierten, wenn sie nur abgefilmte Sequenzen, sogar mit Zeichentrickfiguren, beobachtet hatten. Darin offenbaren sich die Macht der Medien und die Gefahr, die im unkritischen Umgang mit den Medien liegt.
Speziell im Sport muß sich jedes Vorbild (z.B. der Jugendtrainer, Sportlehrer), vor allem auch der Spitzensportler, der Verantwortung bewußt sein, daß sein Verhalten auf dem Spielfeld, aber auch in der Öffentlichkeit, sei es positiv oder negativ, modellhaft auf etliche Zuschauer wirkt und von ihnen nachgeahmt wird.
Allgemein gilt: Je beliebter das Modell beim Beobachter ist, desto mehr wird von seinem Verhalten übernommen.
Häufige Modelle: Erzieher (Eltern, Kindergärtner, Lehrer etc.), Medien, Jugendgruppen, Popstars usw.

Mögliche Lerneffekte:
· Ein neues Verhalten, das bisher nicht vorhanden war, wird angeeignet.
· Ein bereits vorhandenes Verhalten wird durch Verhaltensweisen des beobachteten Modells noch verstärkt.
· Ein bereits vorhandenes Verhalten wird durch Verhaltensweisen des Modells vermindert.
· Bereits gelernte Verhaltensweisen werden ausgelöscht.

3.3.2 Klassisches Konditionieren (Pawlow)
Das vom russischen Physiologen Iwan Pawlow entdeckte Prinzip des Reiz-Reaktions-Lernens oder Signallernens besteht darin, daß ein ursprünglich neutraler Reiz (z.B. Anblick eines Lehrers) zu einem spezifischen Auslöser (z.B. von Angst) wird, weil er mit einem entsprechenden ,,natürlichen" Auslöser (z.B. einer Prüfung) gekoppelt war. Der ursprünglich neutrale Reiz (Lehrer) ist zum Signal für das unangenehme Ereignis geworden; der Betreffende hat damit gelernt, auf diesen Reiz mit Angsteffekten zu reagieren.
Das klassische Konditionieren ist somit für unwillkürliche emotionale Reaktionen von großer Bedeutung. Je weniger sie gedanklich gesteuert sind, desto wahrscheinlicher sind sie klassisch konditioniert.
Zum Auslöser von Aggressionen werden vor allem solche Reize, die entweder mit Aggression oder mit negativen Zuständen assoziiert werden: Waffen, Redeformeln, Symbole bzw. bestimmte Personen, Angehörige einer bestimmten Gruppe, bestimmte Orte usw.

3.3.3 Instrumentelles Konditionieren (Thorndike, Skinner)
In dieser Theorie werden Lernprozesse untersucht, die nicht direkt ,,reizausgelöst" sind, sondern als von ,,innen" herauskommende Wirkreaktionen aufgefaßt werden können.
1898 faßt Thorndike in ,,Animal Intelligence" die Ergebnisse seiner Tierexperimente mit Katzen zusammen. Daraus leitet er folgendes ,,Gesetz des Effektes" ab:
(a) Reaktionen, die kurz vor einem befriedigenden Zustand gezeigt werden, werden mit höherer Wahrscheinlichkeit wiederholt.
(b) Reaktionen, die kurz vor einem unbefriedigenden Zustand auftreten, werden mit großer Wahrscheinlichkeit nicht wiederholt.
(vgl. Zimbardo, S. 241)
Übertragen auf die Aggressionsthematik formuliert Pilz, S. 153 folgende zentrale Annahmen:
- Je mehr Erfolg ein Individuum mit aggressiven Handlungen hat, desto geneigter wird es sein, auch in Zukunft aggressiv zu handeln.
- Lernerfolge können auf andere Situationen übertragen werden, wenn diese gleiche Hinweise für aggressive Handlungen enthalten (Reizgeneralisierung).
- Wird die aggressive Handlung und die damit verbundene Erfolgserwartung nicht kontinuierlich verstärkt, so wird das Verhalten zwar langsamer aufgebaut, dafür aber gründlicher gelernt und weniger schnell verlernt.
- Der Abbau aggressiven Verhaltens kann durch Bekräftigung nichtaggressiver Verhaltensformen geschehen.
- Bereits durch das Ausbleiben negativer Verstärkungen für aggressive Handlungen, etwa wenn der Schiedsrichter ein Foul nicht bestraft oder übersieht, kann eine Bekräftigung dieses Verhaltens eintreten.
,,Erfolge" aggressiven Verhaltens:
(1) Äußere Effekte (Erfolge, Nutzeffekte):
- Durchsetzen und Gewinn
- Beachtung und Anerkennung
- Abwehr, Verteidigung, Schutz
(2) Innere Effekte (emotional, kognitiv)
- Selbstbewertung
- Gerechtigkeitserleben
- Stimulierung
Diese Erfolge stabilisieren aggressives Verhalten.

4) Ursachen für Aggressionen

Ich habe die Ursachen in drei Bereiche eingeteilt, die innerpersonalen, die außerschulischen und die schulischen Ursachen. Die Ausführung ist keineswegs vollständig, jedoch kann man aus dieser einige Präventions- und Interventionsmöglichkeiten ableiten. Daher versuche ich möglichst viele mögliche Bedingungen für Aggressionen anzusprechen und verzichte auf genaue Erläuterungen.

4.1 Innerpersonale Ursachen (nach DUTSCHMANN)

Hier geht es um psychische Vorgänge im Individuum, die Aggressionen und/oder Aggressionsbereitschaft auslösen können, aber nicht unbedingt müssen.

4.1.1 Angst
Hier spricht man von angstmotivierter Aggression. Das Individuum fühlt sich durch irgend eine Situation bedroht und versucht dieser zu entfliehen oder sie zu bewältigen. Eine mögliche Bewältigungsstrategie ist die aggressive Bekämpfung der Gefahr. Man geht aktiv dagegen vor. Dieser Abwehrmechanismus wird oft durch Mißtrauen in andere in Gang gesetzt, man möchte sich Respekt verschaffen, zeigen, daß man sein eigener Herr und seine Angst im Griff hat.

4.1.2 Frustration
Dies wurde bei der Ausführung der Frustrations-Aggressions-Theorie schon angedeutet. Frustration muß nicht Aggression mit sich führen, jedoch die Bereitschaft zu aggressiven Handlungen ist größer.

4.1.3 Negatives Selbstkonzept
Dies ist verbunden mit Frustrationserlebnissen, Minderwertigkeitsgefühlen und Angst. Je mehr Frustration oder Angst man erlebt, desto negativer denkt man über sich. Man fühlt sich schwach und unterlegen. Dies wird vor allem von außen beeinflußt, ist also abhängig vom Lehrer, den Eltern, den Freunden, aber auch den eigenen Leistungen und wie man seine eigenen Leistungen beurteilt (Kausalattribution). Daher geht ein negatives Selbstkonzept oft mit Lernstörungen einher. Eine solche negative Einstellung sich selbst gegenüber bewirkt, daß man sich einer Bedrohung durch die Umwelt gegenüber gestellt fühlt, mit der man alleine nicht fertig wird. Eine mögliche Art des Vorgehens dagegen sind aggressive Handlungen (siehe Angst).

4.1.4 Feindseligkeit, Haß, Sadismus
Feindseligkeit und Haß sind oft gegen spezielle Personen gerichtet, das bedeutet, daß man eine (sehr) negative Einstellung ihnen gegenüber hat. In der Schule sind es oft Lehrer und Außenseiter, gegen die solche Gefühle gehegt werden, da sie als Gegner oder Sündenböcke gesehen werden.
Sadismus ist intrinsisch motiviert, das heißt Aggression macht Sadisten Spaß, sie empfinden Lust am Quälen und am Leid anderer. Erklärbar ist diese Verhaltensweise nicht so einfach. Freud geht ja von der Existenz eines Destruktionstriebs aus, womit man sich den Sadismus relativ einfach erklären kann, da solch ein Trieb angeboren sei. Seine Theorie ist jedoch höchst umstritten. Vielmehr wirken sich noch andere Faktoren auf solche Neigungen aus, die Erziehung, Einflüsse von außen (durch Peer-Groups, Abhärtung durch die Medien,...) oder auch pure Langeweile wären hier zu nennen

4.1.5 Mangelnde moralische Hemmungen
Gewissensbildung hängt damit eng zusammen und wird von ähnlichen Faktoren beeinflußt, gerade das Elternhaus und Erziehung im frühen Kindesalter sind hierbei jedoch sehr wichtig. Hemmungen werden immer mehr durch Medien und vorgeflüsterte Rechtfertigungen abgebaut. Eine Rechtfertigung wäre z.B.: ,,Ausländer sind Minderwertig" und somit hat man das ,,Recht" auf ihnen herumzuhacken und sie zu unterdrücken. Der Gruppeneinfluß und der Gruppendruck sind für aggressive Handlungen von großer Bedeutung, anders sind viele Hinrichtungen, wie sie im 2. Weltkrieg oder 1999 in Jugoslawien geschahen, kaum zu erklären.

4.1.6 Stimmungslage
Auch die Stimmungslage ist wirkt sich positiv oder negativ auf die Aggressivität aus. Streß, Müdigkeit, Anspannung, Druck sind Faktoren, die schneller aggressive Handlungen auslösen, was hierbei oft unbedacht geschieht.

4.1.7 Reiz der Gefahr
Durch eine provozierende Einstellung versucht man, seine vorgegebenen Grenzen auszutesten oder sogar manchmal zu überschreiten. Etwas Neues und gerade Verbotenes hat einen gewissen Reiz, was durch die menschliche Neugier bedingt ist und dem Drang dazu, sich und anderen etwas beweisen zu wollen. Man ist gespannt, wie die Reaktionen anderer aussehen werden, wenn man ein bestimmtes (verbotenes) Verhalten zeigt.

4.1.8 Mangelnde Impulskontrolle, Psychische Störungen
Impulsive Menschen führen Aktionen überhastet aus, ohne vorher zu überlegen, was und warum man gerade macht. Psychische Störungen, wie Unausgeglichenheit (launisch), soziale Unangepaßtheit (schlechte Gruppenanpassungsfähigkeit), Unkonzentriertheit, Zappeligkeit oder Ungeschicklichkeit wirken sich ebenso auf Aggressivität aus. Dies kann direkt geschehen oder über Umwege über z.B. Angst vor Situationen oder ein negatives Selbstwertkonzept. Als Laie hat man hier jedoch wenig Möglichkeiten einzugreifen und dem Betroffenen zu helfen, eine Therapie wäre hier der richtige Weg zur Besserung.

4.2 Außerschulische Ursachen

Schule ist eine Stätte, in die Aggressionen hineingetragen werden. Schule ist aber auch ein Ort, an welchem Aggressionen aufgebaut werden. Daher ist es wichtig, sich neben den schulischen auch mit den außerschulischen Ursachen auseinanderzusetzen.

4.2.1 Gesellschaft
In unserer Gesellschaft kann man einen Wertewandel erkennen. Dieser macht sich bemerkbar in folgenden Veränderungen:
Abgewertet werden Werte und Normen, wie z.B. Religion, Leistungswille, Bescheidenheit, Opferbereitschaft, Befriedigungsaufschub oder autoritäre Werte.
Aufwertung erfahren dagegen solche, wie z.B. Selbstenfaltung, Autonomie, Individueller Nutzen, Anonymität, Unmittelbare Befriedigung.
Hinzu kommt noch ein struktureller Wandel z.B. die verschlechterte Arbeitsmarktsituation, das kritisierte Bildungswesen, die immer steigende Distanz zwischen arm und reich. Dies bringt eine materielle Unsicherheit mit sich, d.h. die Angst vor der ungesicherten Zukunft, was Konkurrenzdenken und Wettbewerb hervorruft.
Zusammenfassend kann man diesen Wandel als einen sozialen Wandel beschreiben. Im Zentrum des Denkens stehen heute Individualisierung, Egoismus, private Lebensgestaltung, Entsolidarisierung... Wir leben in einer Catch-as-catch-can-Gesellschaft, in der jeder alles haben möchte und zwar sofort. Dieser Wandel wirkt sich auf die Einstellungen des Einzelnen aus, man sieht sich von Konkurrenten umgeben, Neid und damit Aggressionen sind vorprogrammiert.

4.2.2 Familie
Die Familie wird als primäre Sozialisationsinstanz bezeichnet, sie ist also die bedeutsamste und grundlegende Instanz in unserem Leben. Daher sind natürlich hier auch Ursachen festzustellen, die Aggressivität hervorrufen.
Bereits formale Strukturaspekte können als Ursachen angesehen werden. Z.B. wäre hier soziale Instabilität zu nennen, welche Angst vor der Zukunft und auch Neid auf andere, denen es besser geht folgert. Veränderte Familienformen, z.B. immer mehr Einzelkinder bringen eingeschränkte soziale Kontaktmöglichkeiten mit sich und somit weniger Situationen, um Problemlösen üben zu können. Immer mehr erwerbstätige und alleinerziehende Eltern bieten den Kindern weniger Zeit und Aufmerksamkeit, da sie entweder nicht zu Hause oder müde von der Arbeit sind. Familien mit alleinerziehenden Müttern oder Vätern haben meines Erachtens das Problem, daß das Kind ohne Unterstützung des gleichen oder des anderen Geschlechts aufwachsen muß.
Eltern-Kind-Interaktion sind jedoch gravierendere Ursachen für die Aggresivitätsbereitschaft. Es ist z.B. wichtig, wie die Eltern mit Versagen umgehen, ob sie das Kind aufbauen oder erniedrigen, wenn es schlechte Leistungen zeigt. Direkte Gewaltanwendung in der Familie wirkt nach dem Modellernen als Vorbild, wie man mit gewissen Situationen umgeht. Die Eltern verschaffen sich durch Gewalt und Aggressivität ihren Willen und dies nimmt das Kind auf und ahmt es nach. Vernachlässigung in emotionaler und sozialer Hinsicht, bis hin zur Ablehnung des Kindes trägt zum negativen Selbstkonzept bei, zu Minderwertigkeitsgefühlen oder auch zu Gefühlskälte, da das Kind keine Liebe erfahren hat und somit auch nicht weiß, was es heißt, anderen Zuwendung und Wärme zu geben. Auf der anderen Seite ist auch zu starke Verwöhnung negativ, da das Kind alles bekommt, was es möchte und somit in Situationen außerhalb der Familie, in der die Bedürfnisse nicht befriedigt werden, auch schon zu Mitteln wie Gewalt und Aggressionen greift, um dies doch zu erreichen.

4.2.3 Freizeit
Im Freizeitbereich haben in den letzten Jahren einige Veränderungen stattgefunden. Das Konsumverhalten der Jugendlichen hat immer mehr zugenommen und damit verbunden der Wettbewerb nach Anerkennung und Prestige. Wenn man nicht die richtigen ,,Statussymbole", wie Kleidung oder Computer besitzt, erfährt man oft nicht genug Anerkennung durch die Mitschüler oder durch den Freundeskreis. Daher ist der Einfluß der Peer-Groups auch so groß in diesem Bereich. So kann es schnell vorkommen, daß man sich die nötigen Konsumgüter mit aggressiven Mitteln besorgt, wie z.B. mit erpresserischen Maßnahmen, wie es heute an Schulen immer öfter passiert.
Die Jugendlichen erfahren ein Überangebot und die Entscheidungen, was sie mit ihrer Freizeit anfangen, wird dadurch nicht erleichtert, sondern sogar erschwert, so daß viele mit ihrer Freizeit gar nichts mehr anzufangen wissen und Langeweile aufkommt. Aus Langeweile resultieren auch oft aggressive Taten, vor allem der Vandalismus. Die Spielkultur ist heute durch das Konsumverhalten größtenteils verlorengegangen, es findet weniger Interaktion und somit weniger Problemlöseprozesse zwischen den Kindern und Jugendlichen statt.

4.2.4 Medien
Die Medien spielen eine Verstärkerrolle durch Gewaltverherrlichung oder Aggressivität der Vorbilder in TV, Computer, Video und Musik. Dies ist mit dem Modellernen zu erklären. Hier werden Trends und Normen geformt, wonach sich die Kinder und Jugendlichen richten. Die Medien haben eine abstumpfende Wirkung, die Akzeptanz von Gewalt wird immer größer, man schaut weg, wie man es vor dem Fernseher gewohnt ist, statt einzugreifen. Medien können auch als Angstauslöser wirken, vor allem bei realen Horrorfilmen, die das Leben beeinflussen können.

4.3 Schulische Ursachen

4.3.1 Schulstruktur
Ein Faktor ist die Schulart. Hier stellte man eine Rangfolge nach Häufigkeit von Gewalttaten fest, wobei zu sehen ist, daß die als gewalttätig verschriene Hauptschule nur in Verbindung mit Grundschulen weit oben in der Rangliste zu finden ist: 1) FörderS 2) GS mit HS 3) RS 4) GY und HS 5) GS.
Die Schul- und Klassengröße ist ein weiterer Ursachenfaktor. Anonymität ist ein Verbündeter der Aggressionen, denn so wird oft ein Mantel des Schweigens über Gewalttaten gelegt. Die Lehrer erfahren an Schulen eine Überforderung durch Unüberschaubarkeit. Versteckte Ecken im Schulgebäude sind Verstecke für aggressive Tätigkeiten. Die Gestaltung des Klassenzimmers ist mit ausschlaggebend dafür, ob sich die Schüler in der Schule wohl fühlen. Sind die Räume zu klein oder hat man am Ende keinen eigenen Raum, muß immer Raumwechsel durchführen, so fühlen sich die Schüler nicht wohl und sind schneller genervt und neigen zu Aggressionen.

4.3.2 Form der Stoffvermittlung und Lernkultur
Viele Schulen sind Kopfschulen, das heißt dort geht es fast ausschließlich um reine Wissensvermittlung. Das soziale Lernen kommt (viel) zu kurz. Daher lernen die Schüler nicht ihr aufgestautes Energiepotential richtig abzubauen, indem man die Konflikte friedlich austrägt. Die Schüler sind durch den immer ansteigenden Leistungsdruck überfordert. Sie können dem Druck, gut zu sein, kaum standhalten. Das Konkurrenzdenken wird immer mehr angeschürt, vor allem in den oberen Klassen.
Ein weiterer Punkt ist fehlende Abwechslung im Unterricht, ein monotoner Unterricht bringt Langeweile mit sich und diese kann zu aggressivem Verhalten führen. Das Schulumfeld (Lärm, lange Wege...) kann ebenso dazu beitragen, was ein Grund von vielen ist, daß die Schullage gründlich durchdacht werden sollte.

4.3.3 Verhältnis Lehrer-Schüler
Lehrer sind für Schüler meist keine Bezugsperson, der sie vertrauen. Das Verhältnis ist eher distanziert und spannungsgeladen. Der Zeitdruck läßt dem erzieherischem Auftrag kaum Platz. Lehrer sind bei 200 Schülern pro Woche oft überfordert, sowohl in Zuwendungs-, Verständnis-, wie auch in ihrer Wahrnehmungskompetenz. Schüler fühlen sich oft ungerecht behandelt und machtlos und dieses negative Gefühl ist aggressionsfördernd.

4.3.4 Verhältnis Schüler-Schüler
Hier zählt das Recht des Stärkeren. Wie oben angedeutet herrscht ein starker Wettbewerb in der Schule und nur die stärkeren und angesehenen Schüler können sich durchsetzen. In einer Klasse fehlt oft ein engerer Klassenverband, die Klasse als Team ist immer weniger zu finden. Außenseiter und Störenfriede als Gewaltopfer sind keine Seltenheit, da sie meistens die Sündenböcke fungieren.

Zusammenfassend läßt sich erkennen, daß die drei Bereiche eng miteinander verwoben sind. Die außerschulischen fließen in die schulischen Ursachen hinein und umgekehrt. Die innerpersonalen entstehen durch die anderen Bereiche und umgekehrt wirken sich innerpersonale Gefühle auf diese aus. Daher ist es bei präventiven Maßnahmen wichtig, alle Bereiche zu berücksichtigen.

5) Präventionsmöglichkeiten in der Schule

Der Lehrer soll...

¬ seinen Erziehungsauftrag ernst nehmen (Erziehungsziele: Selbstbestimmungs-, Mitbestimmungs- und Solidaritätsfähigkeit)
¬ Vorbildfunktion haben (Engagement zeigen, Fehler eingestehen...)
¬ seine Macht nicht mißbrauchen, aber Grenzen setzen
¬ Individuelle Bezugsnormorientierung als Konzept benutzen, was Angstabbau, Konkurrenzabbau, ein positiveres Selbstkonzept und bessere Leistungsmotivation hervorbringen kann
¬ gerecht bewerten
¬ Ironie vermeiden
¬ seinen UR flexibel gestalten, d.h. an das Leistungsniveau der Schüler abstimmen und auch in verschiedenen Sozialformen unterrichten

Wichtig ist auch...
¬ die Kooperation Lehrer - Lehrer (Vorbildfunktion im sozialen Kontakt miteinander; Austausch über Schüler; gemeinsames Problemlösen...)
¬ die Kooperation Lehrer - Eltern (Informationsaustausch über die Schüler und familiären Hintergründe; rechtzeitige Problembesprechung; Einbeziehung in den UR und in die UR-Planung...)
¬ das Verhältnis Lehrer-Schüler (der Lehrer sollte bemüht sein, mehr Kontakt aufzubauen, Interesse zu zeigen, sich als Ansprechpartner zur Verfügung stellen...)
¬ ein positives und angstfreies UR-Klima
¬ gruppendynamische Maßnahmen
¬ soziales Kompetenztraining (z.B. einen ,,Runden Tisch" einführen, an dem Konflikte und Probleme besprochen werden; klare Regeln gemeinsam ausarbeiten; Integrationsübungen durchführen...)
¬ Konfliktlösetraining (Strukturen beim Vorgehen bei Konflikten gemeinsam erarbeiten; Unterstützung, keine dominante Leitung durch den Lehrer am ,,Runden Tisch")
¬ ein ,,gesundes Selbstbewußtsein", so daß man sich nicht immer sofort angegriffen fühlt

Allgemein kann man formulieren: Es sollten bei den Schülern folgende Kompetenzen aufgebaut werden:

A.) Selbstkontrolle/Selbsterfahrung/Einfühlen in andere

B.) Selbstbewußtsein/Selbstbehauptung/ Ich-Stärke

Ergänzende Präventionsmöglichkeiten, die im Seminar erarbeitet wurden:

¬ Auszeiten nehmen (zur Diskussion...)
¬ Leistungsanforderungen anpassen (wichtig: Differenzierung)
¬ Vermeidung von Frustrationserlebnissen
¬ durch Motivation (Stoffvermittlung mit Spaß) ein positiveres Selbstkonzept erarbeiten
¬ ,,Freizeiterziehung" (Möglichkeiten aufzeigen und durchführen)
¬ Integration sozial schwacher in die Gruppe durch Teamwork
¬ verschärfte Aufsicht in den Pausen und nach der Schule
¬ Angebot von Spielmöglichkeiten in den Pausen
¬ Wertevermittlung
¬ Klassenzimmer gestalten

6) Direkte Interventionsmöglichkeiten in der Schule (nach DUTSCHMANN)

¬ Stimulusorientiert (Reize verändern oder neue setzen)
¬ Wenig autoritäres Auftreten, nur bei direkter Gefahr oder Kontrollverlust
¬ Umleiten, Ablenken, so daß der Grund der Aggressionen schon mal vergessen wird
¬ Appellieren (z.B. ,,Behandelt man so einen Freund?")
¬ Aufklären über die Folgen der Handlung
¬ Gefühlsausdruck des Lehrers (z.B. Enttäuschung...)

¬ Organismusorientiert (innere Spannungen neutralisieren)
¬ Freundlich reagieren
¬ Verständnis und Interesse zeigen
¬ Beruhigen

¬ Konsequenzorientiert
¬ Humorvoll reagieren - setzt Souveränität des Erziehers voraus und ist deshalb nicht immer sinnvoll, sowie nur im frühen Stadium von Aggressionen anwendbar
¬ Hinauswerfen, Isolation des Aggressors
¬ Triumphgefühl nehmen; ausdrückliches Erlauben (z.B. ,,Du darfst auch meine Jacke auf den Boden werfen!"), was den Schülern oft den ,,Spaß" und die Motivation an der Sache nimmt
¬ Ignorieren - ganze Gruppe zum Ignorieren auffordern

¬ Weitere Maßnahmen:
¬ Alternativen darlegen
¬ Aussprache mit allen Beteiligten
¬ Verträge abschließen, z.B. mit Verpflichtungen von Seiten des Schülers / der Schüler und des Lehrers
¬ Umgruppierungen vornehmen
¬ Genaues Auflisten der aggressiven Handlungen ermöglicht oft gezielte Interventionsmaßnahmen

7) Interventions- und Präventionsmöglichkeiten im Sportunterricht

7.1 Ausleben von Aggressionen
Äußerst umstritten ist die Theorie des Aggressionsabbaus durch Austoben. Vielmehr sprechen lerntheoretische Befunde für die Verstärkung aggressiven Verhaltens, indem der einhergehende Spannungsabbau das Gefühl des Ärgers reduziert oder aufhebt. Um dieses angenehme Gefühl des Spannungsabbaus wieder zu erfahren, wird das Kind erneut aggressiv handeln und dadurch sein Verhalten manifestieren. Den Schülern sollten andere akzeptable Möglichkeiten, wie beispielsweise das Entspannungstraining, vorgestellt werden, um die aggressive Spannung abzubauen.

7.2 Soziales Lernen durch kooperative Spiele
Kooperatives, helfendes Miteinander ist mit Aggression unvereinbar und hemmt somit derartiges Verhalten. Gleichzeitig werden die Kinder durch die positive soziale Zuwendung ihrer Mitschüler belohnt.
Fairneß und Kooperation sind wichtige Inhalte des Lehrplans im Fach Sport und erfordern einer besonderen Beachtung und Förderung seitens des Lehrers.
Kooperative Spiele stellen Aufgabenstellungen dar, die nur durch die Mithilfe aller Mannschaftsmitglieder zu bewältigen sind. Somit wird jeder gebraucht, gemeinsam werden neue Lösungsstrategien entwickelt, wobei der Stärkere den Schwächeren bei der Ausführung unterstützt. Somit kann jedes Kind seine individuellen Stärken zur Problembewältigung beitragen und dabei Selbstvertrauen und soziale Anerkennung erfahren.
Auch Vertrauensspiele wie ,,blind von einem Partner geführt werden" oder ,,rückwärts fallen und von einem Partner aufgefangen werden" können das Klassenklima verbessern.

7.3 Entspannungstraining
Nach Petermann ist ,,für aggressive Kinder eine angespannte Körperhaltung und eine psychische Anspannung durch das Gefühl des Sich-bedroht-Fühlens charakteristisch. Dabei wird die Wahrnehmung des eigenen Spannungsgefühls als Alarmsignal interpretiert, was die Bereitschaft für aggressives Handeln erhöht" (Petermann, S.16).
Somit gilt es für den Lehrer, den Schülern Möglichkeiten zu offerieren, innere Ruhe und Entspannung zu finden. Deshalb sollten im Sportunterricht Entspannungsverfahren vorgestellt und eingeübt werden.

7.4 Münzverstärkung
Wie bereits unter 3.3.3 erläutert, beeinflussen die Konsequenzen des Verhaltens wesentlich die Wahrscheinlichkeit, mit der entsprechende Reaktionen wiederholt gezeigt werden. Soziale und materielle Verstärkung können somit erwünschtes Verhalten manifestieren.
Münzen (,,token") können als sekundäre Verstärker eingesetzt werden. Hat das Kind eine vorweg vereinbarte Anzahl Münzen gesammelt, kann es die tokens in festgelegte Primärverstärker, z.B. materieller Art, umtauschen.
Wichtig für den Erfolg des ,,token systems" ist die genaue Festlegung des erwünschten und belohnenswerten Schülerverhaltens. Jeder Schüler muß also wissen, wie er positiv handeln kann. Zudem muß der Verstärker von dem Schüler subjektiv als echte Belohnung (,,subjektive Wichtigkeit") erfahren werden.
Nächste Stufe nach Petermann: ,,Die Münzverstärkung ist allmählich auszublenden und durch andere Verstärker, wie Lob, Zuwendung, Privilegien (z.B. im Sport: Auswahl des nächsten Spieles, Anmerkung des Verfassers), Tätigkeiten etc., zu ersetzen. Diese Bedingung ist beim Aufbau des Trainings zu beachten." (Petermann, S.27)

7.5 Auswahl der Sportarten
Bereits unter 7.2 wurde die Wichtigkeit von Kooperation und Fairneß betont. Wettbewerbs- und Streßsituationen erschweren die Einhaltung dieser Komponenten. Möglichst oft sollte der Sportlehrer Spiele mit Betonung des Miteinander und des Helfens einstreuen. Dagegen sollten Sportarten, die ein relativ hohes Maß an körperlicher Gewalt erlauben (z.B. Rugby, Boxen etc.) die Ausnahme bleiben.
Zudem sollte auf Kenntnis und Einhaltung der Spielregeln Wert gelegt werden und durch entsprechendes Pfeifen Belohnung aggressiver Spielweise ausbleiben.
Letztlich sollte der Leistungscharakter, der wiederum instrumentelles Lernen aggressiver Spielweise unterstützt, dem Spaßfaktor weichen. Deshalb soll der Sportlehrer den guten Willen, Anstrengung, positiven Ansatz und Fair-Play gerade auch der Verlierer loben.

7.6 Rollenspiele
,,Im Rollenspiel üben die Kinder neue Fertigkeiten ein, überdenken aufgrund der neuen Erfahrung ihr Verhalten und verändern in einigen Fällen die Regeln im Umgang mit anderen. Dem Erwerb und dem Verständnis dieser sozialen Regeln wird im Rollenspiel Beachtung geschenkt." (Petermann, S.25). Das Rollenspiel ermöglicht den Schülern, verschiedene Handlungsvarianten zu erproben. Dabei sollen sie verschiedene Rollen und somit unterschiedliche Sichtweisen und Standpunkte einnehmen. Geschult werden also Einfühlungsvermögen, Rücksicht, verschiedene Möglichkeiten der Konfliktbewältigung, Diskussionsfähigkeit sowie die angemessene Darstellung der eigenen Bedürfnisse

Ergänzende Präventionsmaßnahmen, die im Seminar erarbeitet wurden:
¬ starke und schwache Schüler mischen
¬ Anregung zu Sportaktivitäten in der Freizeit

Ergänzende Interventionsmaßnahmen, die im Seminar erarbeitet wurden:
¬ Umlenken der Aggression durch Aufgabenstellung
¬ Eingreifen und unterbinden des Konflikts
¬ ,,Soziale Strafaufgaben", also Aufgaben, wovon die Gruppe profitiert, wie Geräte nach der Stunde aufräumen
¬ Flexibilität und Anpassung der UR-Gestaltung


8) Anhang

8.1 "Die 10 Verbote"

Wenn Schüler aggressiv bleiben sollen oder wenn Schüler aggressiv werden sollen, dann handeln Sie bitte konkret so:

1. Setzen Sie Ihre Schüler vor versammelter Mannschaft herab
2. Blocken Sie Fragen ab
3. Versäumen Sie nicht bei der Herausgabe von Proben und Schulaufgaben Ihre Macht zu demonstrieren und verkünden Sie Noten öffentlich
4. Planen Sie den Ablauf möglichst jeder Unterrichtsstunde genau gleich
5. Treten Sie grundsätzlich als derjenige auf, der alles besser weiß
6. Schaffen Sie sich keine Freiräume im Unterricht
7. Beobachten Sie die Schüler genau, werten und beurteilen Sie dann sofort
8. Heben Sie die Schwächen sowie Stärken einzelner deutlich heraus
9. Sprechen Sie nie mit Kollegen über Ihren Unterricht, die Schüler, besondere Situationen
10. Sehen Sie die Schüler grundsätzlich als Gegner

8.2 10 Regeln zur De-Eskalation in akuten Gewaltsituationen

1. In Beziehung treten mit der Situation - ,,Sich einmischen"
2. Personale Konfrontation (,,Schluß damit!")
3. Trennung der Kontrahenten
4. Sofort oder eindeutig Grenzen setzen
5. Eigene personale Wertung
6. Einschätzung, ob depressive (z.B. Eifersuchtsdrama) oder chaotische Gewaltkrise (z.B. Gruppengewalt) vorliegt
7. Nicht entweichen lassen
8. Die Situation und die Beteiligten ernst nehmen
9. Spiegeln / Konsequenzen ziehen
10. Begleitung nach dem Gewaltende


Literaturverzeichnis

BAUMANN,S.: Sportpsychologie. Aachen 19982
DUTSCHMANN, A.: Aggressivität bei Kindern. Dortmund 1982
HANKE, B.: Aggressiv und unaufmerksam. München 1978
KISTNER, G.: Kooperative Abenteuerspiele. Seelze-Velber 19962
MÖNNICH, I. / JUNG, K.: Brutalisierungserscheinungen im Sport. Puchheim. 1984
PETERMANN, F. / PETERMANN, U.: Training mit aggressiven Kindern.
Weinheim 19978
PILZ, G. (Hg): Sport und körperliche Gewalt. Reinbek 1982
ZIMBARDO, P. / GERRIG, R.: Psychologie. Berlin / Heidelberg / New York 19925

American Kenpo.de  Server e-mail
Tel.: 0700-53676258