Sinn oder Unsinn von Seminaren

In keiner anderen sportlichen Zunft werden so viele Seminare durchgeführt, wie in den kämpfenden Künsten. Da können im Monat für einen Aktiven schon mal gut 1000km zusammen kommen. Für Dozenten, wenn sie hauptberuflich unterwegs sind, können es weit mehr als 3000km werden.

Welchen Sinn hat dieser Aufwand für Schüler? Reicht es nicht, regelmäßig zum Training zu gehen und dort zu lernen?

Wenn man böse wäre, könnte man Seminare grob in zwei Kategorien einteilen, in Massenabfertigung und in Unterrichtsveranstaltung. Das muß durchaus aber keine Wertung sein, denn die Gründe, warum man ein Seminar besucht, sind unterschiedlich. Möchte man einen bestimmten Meister/ Lehrer einmal mit „eigenen Augen" erleben, kann es auch befriedigend sein, eine 300 Teilnehmer-Veranstaltung zu besuchen. Je nach Graduierung, kann man aber Pech haben  in der letzten Reihe zu stehen und doch nicht so viel zu sehen. Die Gefahr einer Massenveranstaltungen ist meist dann gegeben, wenn der ausrichtende Verband sehr mitgliederstark ist und/ oder der Dozent sehr beliebt oder bekannt.

Jeder Kampfkunsttreibende durchlebt eine Ausbildung, eine Ausbildung, die kein Ende hat. Diese braucht immer ein Programm. Schwarzgurte, egal welcher Stufe, brauchen auch ein Programm. Wie oft kann man Schwarzgurte beobachten, bei denen offensichtlich ist, dass sie seit Jahren selber kein Training mehr hatten und nur von ihrem Können zähren, was sie vor 10 Jahren hatten. Natürlich wird es immer schwerer einen Lehrer zu finden, je weiter man selber fortschreitet. Die Problematik ist umfassend und Stilübergreifend, soll an dieser Stelle nicht beleuchtet werden.

Betrachten wir einmal einige Stichpunkte zum Thema Seminar::

Seminarthema

- Das Seminar sollte in der Ausschreibung unbedingt die zu lehrenden Themen enthalten, nur dann ist ein gezieltes auswählen für den Schüler möglich, um weiterbringende Schulung zu erhalten

- Pauschalseminarthemen wie zB.: „Grundschule, Kihon, Kampf" lassen Konzeptlosigkeit erahnen.

- Seminare sollten immer Themen haben, die im normalen Unterricht nicht abgehandelt werden können, weil man z.B.. mehr Zeit dafür braucht oder der jeweilige örtliche Trainer dieses Thema nicht so gut lehren kann

- Man sollte darauf achten, dass in der Seminarausschreibung nicht eine Themenankündigung ist, die einer Aufzählung in einem Verkaufskatalog gleicht (mehr als drei Themen sind für einen Dozenten an einem Wochenende kaum effektiv machbar). Effektiv wäre ein "roter Faden" mit max. drei Unterthemen.

Teilnehmerzahlen

- Nur bei begrenzten Teilnehmerzahlen kann sich der Dozent individuell um jeden Teilnehmer kümmern

- verhindert, dass sich die Assistenten vorwiegend um die Teilnehmer kümmern müssen, man möchte ja möglichst beim Dozenten selber lernen (was nicht gegen die Qualitäten eines Assistenten sprechen soll)

Übungsgruppenteilung

- günstig, wenn die Teilnehmerzahl etwas höher ist

- durch Zusammenfassen nach Leistung (Graduierung) kann sehr spezifisch gelehrt werden, der Dozent kann (zeitversetzt mit seinem Assistent) im Kreisprinzip von Gruppe zu Gruppe gehen und korrigieren

- eine Spreizung über mehr als drei Graduierungsstufen ist nicht effektiv, kein Lehrer kann sich unterrichtend zugleich effektiv um vier unterschiedliche Leistungsstufen kümmern. Es sei denn man hat ein Stufenübergreifendes Lehrthema (z.B..: Fußtechniken, Atmung...)

Übungszeit

- Übungszeiten in den Gruppen sollte mindestens 1 ½ Stunden beinhalten, besser noch 2 Stunden. Man sollte zu jeder Einheit eine halbe Stunde für Erwärmung und geistiges Aufwärmen rechnen.

Theorievermittlung

- Immer wieder stellt man fest, dass meist „nur" ein Techniktraining stattfindet. Ein guter Lehrer sollte zu einem Seminar mindestens 30 % Theorie vermitteln. Eine einfache Demonstration, wie irgend eine Technik funktioniert reicht nicht aus (auch wenn der Demonstrierende beeindruckende Techniken zeigt).

- Ein guter Dozent benutzt Hilfsmittel, um anschaulich zu erklären (Tafel, Clipboard usw.).

Fremdstile

- Spätestens ab der Oberstufe sollte man auch Seminare anderer Stile besuchen.

- Was will man seinen Schülern erzählen, wenn man nur die eigene Kunst kennt?

- mit einem Partner aus einem anderen Stil zu trainieren erweitert den Horizont

Gebühren

- jedes Seminar kostet Gebühren, denn es entstehen auch Kosten (Hallenmieten, Betriebskosten,  Fahrkosten/ Unterkunft/ Verpflegung für den Dozenten und Assistenten, evtl. Versicherungen usw.)

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