Stressbewältigung und Adrenalin
Wer kennt nicht die Legenden von Menschen in höchster Not, die scheinbar unmenschliche Kräfte entwickeln können? Wer ist nicht erstaunt, welche Strapazen ein Mensch im Kriegsfalle aushalten kann? Viele Trainer, gerade in den Kampfkünsten, reden von Adrenalin, wenige wissen um die Zusammenhänge.

Es existiert eine "Kraft", die dem Menschen in bestimmten Situationen buchstäblich "Flügel" verleiht. Die ersten wissenschaftlichen Beschreibungen hierüber gab es in den 20er Jahren. Man entdeckte, dass im menschlichen Körper in Stresssituationen Reaktionen abliefen, die den Körper auf zwei Reaktionen vorbereitete entweder auf Gegenwehr und Kampf (Ausschüttung von Noradrenalin) oder auf Flucht (Ausschüttung von Adrenalin). Dieses nannte man "fight-or-flight-syndrome". Gesteuert wird alles durch das sog. "Stresszentrum", dem Hypothalamus. Er kontrolliert nicht nur das autonome Nervensystem, er aktiviert auch die Hypophyse. Eine Vielzahl von Hormonen werden dadurch aktiviert, sie machen es möglich, gefährlichen Situationen zu bestehen oder zu überleben. Das Kampf-/ Fluchtverhalten zählt zu den wichtigsten Grundprogrammen im menschlichen Verhalten. Die Natur (aber auch unsere heutige "künstliche" Welt) verlangt manchmal nach blitzschnellen und effektiven Reaktionen, um unseren Körper zu schützen und ihn am Leben zu erhalten.
Die folgende Tabelle gibt einen kurzen Überblick dazu...
Reaktionen des Körpers bei Stresssituationen
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autonomes Nervensystem reguliert die Aktivitäten der Körperorgane wie: |
Hypophyse ...reagiert auf Signale aus dem Hypothalamus mit der Ausschüttung von zwei Hormonen: |
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thyrotrophe Hormon (TTH)
adrenocorticotrophe Hormon (ACTH)
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Stressreaktionen des Körpers
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Die hier aufgezeigten Reaktionen werden durch äußere Bedrohungen hervorgerufen. Sie dienen zum Schutz des Körpers und seiner Erhaltung. Berichte, die von Ertrinkenden behaupten, dass sie plötzlich unmenschliche Kräfte entwickeln können, sind Ergebnisse dieser Reaktionen. Vom Gehirn kontrollierte physiologische Stressreaktionen können entstehen wenn äußere Gefahren entstehen, aber auch wenn innere Gefahren bevor stehen, wie z.B. durch Krankheitserreger. In beiden Fällen wirken zwei Faktoren helfend, die eben genannte unbewusste Stressreaktion und die bewusste Stressreaktion. Eine von beiden steht nie für sich allein, es wirken immer beide Reaktionen. Je besser die bewusste Reaktion in die jeweilige Situation eingepasst wird, desto größer ist die Chance, das der Stress schnell abgebaut wird. Bewusste Reaktionen können antrainiert werden.
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unbewusste Stressreaktion
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bewusste Stressreaktion (geistig) |
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körperlich |
geistig |
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Ob Sieg oder Niederlage entscheidet sich in enger Zusammenarbeit von unbewusster und bewusster Stressreaktion, gleich ob im normalen Alltag (z.B.: lösen von Aufgaben in der Firma), beim Militär (z.B.: Bewältigung von Konflikten) oder in der Kampfkunst (z.B.: im Kampf Mann gegen Mann).
"Da die bewusste Stressreaktion die unbewusste beeinflussen kann, ist es wichtig, Stresssituationen ständig zu trainieren."
Um mit Stress umgehen zu lernen, muss man mit ihm trainieren, er muss zum Begleiter werden. In der Selbstverteidigung könnte im Dojo nie eine 100% realistische Situation erzeugt werden, aber wenn man es schafft mit 60% zu trainieren, hat man schon viel erreicht. Mit 60%iger Realität zu trainieren bedeutet die restlichen 40% situationsbedingt blitzartig selbst in den Griff zu bekommen. Die Chance dazu hat man nur, wenn man ein gutes System hat, welches man von einem guten Lehrer gelehrt bekommt. Bekanntlich sind hier die "unbequemsten" Lehrer die besten.
Aus dem militärischen Bereich ist bekannt, dass es Ausbildungsmethoden gibt, Einsatzkräfte an eine Feindeinwirkung durch Schusswaffen zu gewöhnen. Dazu sitzen die Rekruten in einer Reihe am Boden und der Ausbilder schießt mit seiner Waffe dicht über die Köpfe der Leute hinweg. Die Angehörigen der SAS (Spezial Air Service, Eliteeinheit der Briten) werden an Geschoßeinschläge im Sand gewöhnt, indem sie sich ua. gegenseitig mit Sand bewerfen. Beides bestimmt keine sehr angenehmen Ausbildungsmaßnahmen, aber trotzdem noch lange keine 100% Realität! Aber viele dieser Übungen im Gesamtbild formen den Menschen und verändern seine Reaktionen. Stressstabilität kann einem Schwächeren helfen einem körperlich Stärkeren überlegen zu sein!
Stress und der leere Kopf
Eine bekannte Situation: Man bereitet sich gewissenhaft auf eine Aufgabe/ Prüfung vor und wenn es dann soweit ist, fällt einem nichts mehr ein...... ein Blackout. Man hat durch Versuche festgestellt, dass dieser Blackout erst ca. 30 Minuten nach eingesetzten Stress auftritt. Am Adrenalinausstoß kann es also nicht liegen, dieses wird unmittelbar bei Stressbeginn blitzschnell ausgestoßen.
Schweizer Wissenschaftler haben festgestellt, dass das Hormon Cortisol eine Rolle dabei spielt. Dieses braucht 30 Minuten, bis zur Wirkung, da die Ausschüttung erst durch eine Kette von Reaktionen von den Nebennieren geschied.
Der "Vergesslichkeitseffekt" ist auch sehr gut bei polizeilichen/ militärischen Verhören zu beobachten. Das ganze Drumherum und der Verhörstress lässt den Cortisonspiegel in ungeahnte Höhen steigen und Erinnerungen verschwinden. Als Vernehmer sind solche Erkenntnis von äußerster Wichtigkeit, um ein reales Ergebnis zu erzielen. Prüfungssituationen sind ebenfalls unter diesem Gesichtspunkt zu werten (zu Prüfungsangst siehe auch hier).
| Hypothalamus | Teil des Zwischenhirns, der wichtige Vorgänge im Körper steuert (Wärmeregulation, Wach- und Schlafvorgänge, Blutdruck- und Atmungsablauf, Stoffwechsel und Schweißsekretion |
| autonomes Nervensystem | zweiter Bestandteil des peripheren Nervensystem, regelt Körperaktivitäten |
| Hypophyse | Hirnanhangdrüse, wichtiges Organ der inneren Sekretion und übergeordnetes hormonelles Steuerzentrum des Körpers |
| Peristaltik | spiralförmiges Zusammenziehen muskulöser Hohlorgane, um ihren Inhalt vorwärts zu bewegen |
| Pankreasdrüse | Bauchspeicheldrüse |
| Cortison | ...ist ein lebenswichtiges, körpereigenes Hormon, das in der Nebennierenrinde produziert wird. Cortison hat als natürlicher Stoff eine ganze Reihe von Aufgaben. So regelt es bestimmte Teile des Stoffwechsels (Fettstoffwechsel, Eiweißstoffwechsel, Mineralstoffwechsel), steuert einige Abläufe in der körpereigenen Abwehr (dem Immunsystem) und wird vor allem auch für die Antwort des Körpers auf äußere Belastungen benötigt. Cortison wird deshalb auch als "Stress-Hormon" bezeichnet. |
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