Zwei Gehirnhälften - 
eine Metapher für Lehren und Lernen
(Kurzfassung, weitere Ausführungen siehe Ausbilderforum)
 
 
 
Wissenschaftliche Gehirnforschungen gehen von dualen Konzepten aus und sprechen von zwei Gehirnhälften: der rationalen/analytischen und der intuitiven/kreativen. In der Pädagogik wird dieses Konzept, zum Beispiel zur Schulung von Kindern mit Lernschwierigkeiten, erfolgreich angewandt (Brain Gym). Es hilft uns, bewußt rationales Denken mit unseren unbewußten Träumen, Wünschen und Vorstellungen zu verbinden und zu integrieren.

 

Die Gehirnhälften und ihre Funktionen:

links rechts
verbal nonverbal
Sprache Phantasie
lesen, schreiben erinnert Formen und Gesichter
mathematisch intuitiv
detailliert räumlich
kontrolliert emotional
analysiert liebt Risiko
ordnend musikalisch
logisch erfaßt das Ganze
vermeidet Risiko verarbeitet Information linear bildhaft und verarbeitet Information zirkulär
   

Die linke Gehirnhälfte ist - nicht ausschließlich, aber hauptsächlich - für rationales Denken (Logik und Wörter) sowie für analytische und mathematische Prozesse verantwortlich.

Die rechte Gehirnhälfte steuert mehr die Intuition, Kreativität, Symbole und Gefühle. Diese Gehirnhälfte wird durch Metaphern aktiviert, durch die im Rezipienten eigene, dazupassende Bilder, Symbole, Melodien oder Gerüche entstehen können.

Dieses duale Konzept für unser Gehirn ist sicher eine starke Vereinfachung. Gehirnforschungen der Zukunft werden die tatsächlichen Verhältnisse mit ihrer vermutlich immensen Komplexität Schritt für Schritt weiter zu erhellen versuchen. Wir nehmen das duale Konzept hier als Modell, um unsere komplexe Vielfalt und Vorgehensweise auch von dieser Seite aus zu betrachten.

Ist Phantasie nur was für Genies?

Es scheint, daß jene Menschen, die die besten Ergebnisse auf ihren jeweiligen Gebieten erreichen, sich die Welt der Bilder und Phantasien im vornehmlich rational gesteuerten Schulbetrieb erhalten haben. Von den bekanntesten Naturwissen-schaftlern wissen wir, daß sie mit der Welt der Atome "verschmelzen", wenn sie ihre Überlegungen anstellen, und Computerspezialisten begeben sich in die "Innenwelt" von Hard- und Software. Von Einstein wird erzählt, daß er, in der Schule gelangweilt, sich vorgestellt hat, wie es wäre, wenn der Lehrer und die Kinder mit Lichtgeschwindigkeit durch den Raum rasen würden.

Wie finden wir unsere Begabungen wieder?

Wir alle kennen das, wenn wir den Geschichten und Phantasien von kleinen Kindern lauschen und uns in deren Traumwelten mitnehmen lassen und offen dafür sind, mit ihren imaginären Tieren, Blumen oder Steinen zu sprechen. Bis zu welchem Alter finden wir dieses Verhalten wunderbar und erstrebenswert - und ab wann müssen wir damit aufhören? Es scheint, daß mit Schuleintritt diese Fähigkeit abnimmt, weil sie, ausgelöst durch Auslachen Gleichaltriger und durch verbale und nonverbale Kommentare der Erwachsenen, mehr und mehr versteckt und zurückgehalten wird. So kommt es, daß wir später, als Erwachsene, sagen: "Ich kann nicht malen.", "Ich kann nicht singen.", "Ich tanze nicht gern, weil ich es nicht kann.", "Ich bin unbegabt".

Unsere Hypothese ist, und unsere Erfahrungen bestätigen das, daß jeder auf mindestens einem Gebiet begabt ist und sich dieses Gebiet schon in der Kindheit in Form einer Traum- oder Fantasiewelt aufgetan hat. Unsere Arbeit besteht eigentlich nur darin, diese Welten wiederzufinden und sie mit der linken Gehirnhälfte, mit dem analytischen Denken, zu verbinden.

 

Das menschliche Großhirn besteht aus zwei symmetrischen Hälften mit unterschiedlichen Funktionen. Interessant ist, daß manchmal die weniger geeignete Hemisphäre bestimmte Denkaufgaben erledigt.

 

Der Konflikt der Gehirnhälften

Das Großhirn ist zweigeteilt

Bereits der berühmte griechische Arzt Hippokrates stellte an Verwundeten aus den Perserkriegen fest, daß Schädigungen bestimmter Stellen des Gehirns mit dem Verlust bestimmter Gehirnfunktionen zusammentrafen. Es gibt Denkfunktionen, denen man einen Ort im Gehirn zuweisen kann. Zu diesen Funktionszentren zählen vor allem die Sprachzentren, also die Talente für das Erzeugen bzw Verstehen von Sprache.

Die beiden Großhirnhälften sind nur äußerlich symmetrisch angelegt. Ihre Funktionen sind verschieden. Die linke Gehirnhälfte ist Sitz des Sprachzentrums. Sie tut im Grunde alles, was wir auf den ersten Blick Denken nennen würden. Sie denkt in Sprache, in Begriffen, sie denkt logisch, analytisch. Kurzum, sie bearbeitet verdichtete Gedanken. Das Rohmaterial der Gedanken, die aufblitzenden Ideen, die Bilder, ja alle Sinneseindrücke bearbeitet die rechte Gehirnhälfte. Die rechte Hemisphäre denkt unmittelbar in Bildern. Sie denkt ganzheitlich, intuitiv. Sie nutzt räumliche, farbige und bewegte Modelle und sie ist der Sitz der Phantasie.

 

Woher wissen wir das?

Exakte Kenntnisse verdanken wir Roger Sperry und seiner Hemisphärentheorie. In den 60er Jahren durchtrennte Sperry bei schwerstkranken Epilepsie-Patienten das Corpus Callosum, den Verbindungsstrang zwischen den beiden Gehirnhälften. Das Leid der Patienten wurde gelindert aber ihre Denkfähigkeit zeigt jetzt spezifische Defizite. Sperry untersuchte diese Zusammenhänge. Sein Werk wurde gekrönt durch den Nobelpreis für Medizin 1981. Heute kann übrigens von Theorie keine Rede mehr sein. Mit Hilfe der Tomographie kann heute - überspitzt formuliert - jedes moderne Krankenhaus regelrecht lokalisieren, mit welchen Gehirnteilen ein Mensch gerade denkt.

 

Warum existiert diese Hemispärenteilung?

Der Mensch ist Rechtshänder oder Linkshänder und bevorzugt auch eines seiner Beine. Beim genauen Hinsehen, z.B. in Zusammenhang mit Augenübungen, stellen wir sogar fest, daß wir rechtsäugig oder linksäugig sein können. Woher kommt das?

Händigkeit übt den Gebrauch von Waffen und Werkzeugen. Gleichzeitig ist Händigkeit "Denken auf Vorrat". Wenn plötzlich ein Säbelzahntiger vor dem Urmenschen stand, konnte er einfach nicht mehr überlegen, mit welcher Hand er die Keule heben sollte oder mit welchem Fuß zuerst davoneilen. Das mußte automatisch gehen. Jeder Zeitverlust wäre ein Überlebensnachteil.

Denkgewohnheiten und Denkbedürfnisse änderten sich mit der Kultur sehr stark. Erst spät in der Geschichte konnte der Mensch echte Spezialisierung auf künstlerische und handwerkliche Fähigkeiten entwickeln. Arbeitsteilung, sichere Umgebung und das Entstehen einer Schriftsprache brachten dem Menschen umwälzende Veränderungen im Gebrauch des Gehirns. Der amerikanische Forscher Julian Jaynes behauptet - fundiert recherchiert und mehr als nur einer Überlegung wert - der Wandel im Denken sei außerordentlich sprunghaft erfolgt und habe überhaupt erst die Entstehung des menschlichen Bewußtseins ausgelöst. (sein Buch ist außerordentlich lesenswert!)

Händigkeit im Gehirn?

Im Gehirn haben wir eine ähnliche Situation. Der Mensch ist rechtshirnig oder linkshirnig veranlagt. Er bevorzugt zum Lösen von Denkproblemen die eine oder andere Gehirnhälfte. Im Laufe unseres Lebens prägen die Spuren von Kultur und Ausbildung tiefe Gräben in die Denkbahnen des Gehirns. Früh schon haben wir gelernt, daß keine Idee etwas gilt, wenn wir sie nicht in Worte zu kleiden verstehen. Und so kommt es, daß ein Übergewicht unserer Denkbahnen den Weg in die linke, sprachlich denkende Gehirnhälfte weist. Das Ergebnis ist folgenschwer. Es entstehen Felleitungen. Die linke Gehirnhälfte erledigt Denkprobleme, die eigentlich ureigenstes Betätigungsfeld der rechten Hemisphäre wären.

 

Der Schiedsrichter im Gehirn

Wenn wir von Überbetonung der linkshirnigen Denkfunktionen sprechen, dann bedeutet das nicht, daß die rechte Gehirnhälfte verkümmert, gar physisch an Gewicht verliert und derlei Märchen mehr, die wir da und dort lesen können. Es mag an Training der rechten Gehirnhälfte fehlen. Aber der wichtigste denkmethodische Gesichtspunkt ist diese Fehlfunktion.

Es gibt im Gehirn eine Instanz, die jedem Denkproblem ein Talent des Gehirns, insbesondere eine Gehirnhälfte zuweist. Jede der Gehirnhälften bemüht sich darum. Und daher ist auch das Bild einer unterentwickelten Gehirnhälfte falsch. Es handelt sich einfach um einen ungleichen Zweikampf. Ist etwa das linke Gehirn durch permanente Nutzung besser durchblutet, sind die eingeprägten Denkbahnen zu tief und die Gewohnheiten zu fest, dann entscheidet sich dieser Mechanismus einfach falsch. Wir denken mit der falschen Gehirnhälfte.

Wo treten Konflikte auf?

Im Alltag merken wir wenig von diesen Vorgängen. So schlecht funktioniert unser Gehirn schließlich nicht und wir sollten uns davor hüten,, uns mit ein paar Taschenspielertricks zu lauter Einsteins entwickeln zu wollen. Es gibt aber einige Funktionen, die die Fehlfunktion ganz deutlich zeigen. Beispiele sind dasProgrammieren, dasZeichnen, das Gedächtnis oder Anfängerprobleme in verschiedenen Sportarten. Durch Denkmethoden sind hier phänomenale Verbesserungen möglich!

Literatur:

Bruno Klumpp, "So steuern Sie Ihr Gehirn zu besseren Leistungen - Cerebralkybernetik"

aus: G. Kutschera, Tanz zwischen Bewusstsein uns Unbewusstsein, 1994, Junfermann-Verlag

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