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Bevor
diese Frage beantwortet werden kann, müssen ein paar Gesichtspunkte festgelegt
werden, denn eine solche Frage kann nur eine subjektive Antwort haben, die völlig
davon abhängt, wen man fragt. Deshalb ist diese Stellungnahme lediglich die
Ansicht nur einer Person und soll auf keinen Fall dazu bestimmt sein, dem
einzelnen zu sagen, wie er die Bedeutung von Gürteln und Graduierungen zu
interpretieren hat. Der Zweck dieses Textes ist also nur, die Ideen eines
Einzelnen zur Bedeutung des Schwarzen Gürtels darzulegen.
Ein
guter Anfang um die Einstellung zu einer Graduierung in den Kampfkünsten zu
erklären, ist es eine grundlegende persönliche Philosophie zum Zweck von Gürteln
im allgemeinen darzulegen. Ein Gürtel ist einfach ein symbolisches und
physisches Mittel, um einem Schüler zu zeigen, wie sein Wissensstand in
Relation zur Klasse ist. Er ist außerdem ein Mittel, das es dem Lehrer ermöglicht
dem Schüler Lernfortschritte zu zeigen. Für all das ist ein Gürtel aber weder
notwendig, noch ausreichend. Jede dieser Aufgaben könnte auch in anderer Weise
erfüllt werden, und wahrlich bedarf es mehr als eines Gürtels, um diese zu
realisieren, dennoch sind Gürtel brauchbar, um zu repräsentieren, wo ein Schüler
im niemals endenden Lernprozeß steht. Es mag jetzt viele geben, die sich
wundern, was der Schwarze Gürtel dann ist, wenn nicht ein Ende des
Lernprozesses.
Nun
der Schwarze Gürtel ist genau wie der Weiße einfach nur eine weitere Stufe im
Lernprozeß. Das einzige, was ihn vielleicht besonders bestimmt, wenn überhaupt,
ist einfach nur, daß ein Punkt erreicht wurde, ab dem ein höheres Lernen
stattfindet. Wenn man also das Gürtelgraduierungssystem mit dem amerikanischen
Schulsystem vergleicht, dann würden die Gürtel vor dem Schwarzen die
Elementary School bis hin zur High School (Grundschule bis ungef. Abitur) repräsentieren.
Sie stellen sozusagen das Basiswissen und die Basisfähigkeiten dar, auf denen
aufgebaut werden kann. Der Schwarze Gürtel
würde die höhere Schule des Colleges und der University (der Universitäten)
repräsentieren. Man könnte jetzt argumentieren, dass dort erst das wahre
Lernen beginnt, aber alle Stufen der Entwicklung sind gleichwichtig. Die
verschiedenen Stufen des Schwarzen Gürtels kann man nun genauso betrachten. Der
Meistergrad kann mit dem Graduate Degree (Diplom) und der Großmeister mit dem
Doctorate (Doktortitel) verglichen werden. Das soll aber nicht heißen, dass
wenn jemand den Rang eines Großmeisters erreicht hat, das Lernen aufhört.
Genau wie der Doktor, der durch die erforderliche Ausbildung zum Doktor gegangen
ist, muß der Kampfkünstler immer noch üben und danach streben zu lernen. Der
Grund dafür ist einfach die Tatsache, dass selbst was der Geist behalten kann,
der Körper wieder vergisst. Jemand der den Rang eines Schwarzgurtes oder höher
erreicht hat und aufhören würde zu trainieren, mag wohl in der Lage sein sich
an die Techniken zu erinnern, aber das Reaktionsvermögen
des Körpers wird verloren gehen. Dies macht die Techniken in einer
Selbstverteidigungssituation nutzlos, denn ehe die Reaktion endlich soweit ist,
hat der Angreifer seinen Angriff schon beendet und Schaden angerichtet, sei es
in einer einfachen Schlägerei, einer Vergewaltigung oder eines Mordanschlages.
Deshalb funktioniert ein Graduierungssystem lediglich in den Grenzen einer
Ordnung, in der es angewendet wird. Diese Ordnung ist die Schulordnung. Außerhalb
eines Schulsystems ist der Gürtel als Zeichen eines Wissensstandes wertlos. Ein
Angreifer wird den Gürtelgrad seines Opfers weder kennen, noch wird es ihn
interessieren. Der Angreifer hat als einziges Ziel Schaden anzurichten. Deshalb
hört der Lernprozeß niemals auf.
Wenn
also jemand die Stufe eines Schwarzgurtes erreicht hat und deshalb denkt damit
den höchsten Endpunkt des Wissens erreicht zu haben, so ist er im Irrtum. Wenn
jemand die Stufe eines Großmeisters erreicht hat und denkt jetzt den absoluten
Wissensstand zu besitzen, so irrt auch er. Es gibt nicht eine einzige Person auf
dieser Erde, die alles weiß, was es zu wissen gibt über Kampfkunst. Selbst
wenn jemand der Begründer und das Oberhaupt seines eigenen Systems ist, gibt es
für ihn dennoch Dinge zu lernen. Im Grunde genommen ist es jedem, der ein
System, egal welchen Typs, lehrt, ständige Aufgabe einzuschätzen und zu
bewerten, was er lehrt. Es wird immer jemanden geben, der mehr über bestimmte
Aspekte der Kampfkunst weiß. So ist es jedem seine Verantwortung, sich nicht
gegenüber Wissen von außen zu verschließen, nur weil man ein Stück Kleidung
trägt, dass außerhalb der Kampfkunstschule total bedeutungslos ist, es ist die
Verantwortung sich ständig weiterzubilden und das gesammelte Wissen zu
vertiefen, sonst hat ein Angreifer eine gute Chance mehr Wissen zu besitzen als
das Opfer. Deshalb darf der Lernprozeß nie aufhören. All das zusammen ergibt
einen Standpunkt, was ein Schwarzgurt ist.
Ein
Schwarzer Gürtel ist schlicht eine weitere Stufe im Lernprozeß. Er ist nicht
das Ende sondern der Anfang. Es gibt kein wirkliches Ende des Lernens in den
Kampfkünsten. Ein Schwarzer Gürtel hat nur die Bedeutung, die derjenige der
darüber nachdenkt ihm beimisst. Dieser Text spiegelt einfach nur eine Meinung
wieder. Ein Schwarzer Gürtel ist kein übernatürliche Kräfte verleihender
Bestandteil, er ist einfach nur ein weiterer Grad, ein Grad, der nur für den
Bedeutung hat, der ihn innehat, in der Schule in der er verliehen wurde. Es ist
der Einzelne der den Rang wertvoll macht, der Gürtel den er dafür trägt ist
nur symbolische Dekoration.
(aus dem englischen von Stefan Kleinke)
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