Was ist ein Schwarzgurt?
(Dieser Text stammt von K.C.Wegner als er ein Ni-Kyu (Braun) im American Kenpo Bu-Jutsu Karatesystem war.
Inzwischen hat er, ein Schüler von Sensei Martin, seinen Shodan (1.Grad Schwarz) verliehen bekommen.)

 

 

Bevor diese Frage beantwortet werden kann, müssen ein paar Gesichtspunkte festgelegt werden, denn eine solche Frage kann nur eine subjektive Antwort haben, die völlig davon abhängt, wen man fragt. Deshalb ist diese Stellungnahme lediglich die Ansicht nur einer Person und soll auf keinen Fall dazu bestimmt sein, dem einzelnen zu sagen, wie er die Bedeutung von Gürteln und Graduierungen zu interpretieren hat. Der Zweck dieses Textes ist also nur, die Ideen eines Einzelnen zur Bedeutung des Schwarzen Gürtels darzulegen.

Ein guter Anfang um die Einstellung zu einer Graduierung in den Kampfkünsten zu erklären, ist es eine grundlegende persönliche Philosophie zum Zweck von Gürteln im allgemeinen darzulegen. Ein Gürtel ist einfach ein symbolisches und physisches Mittel, um einem Schüler zu zeigen, wie sein Wissensstand in Relation zur Klasse ist. Er ist außerdem ein Mittel, das es dem Lehrer ermöglicht dem Schüler Lernfortschritte zu zeigen. Für all das ist ein Gürtel aber weder notwendig, noch ausreichend. Jede dieser Aufgaben könnte auch in anderer Weise erfüllt werden, und wahrlich bedarf es mehr als eines Gürtels, um diese zu realisieren, dennoch sind Gürtel brauchbar, um zu repräsentieren, wo ein Schüler im niemals endenden Lernprozeß steht. Es mag jetzt viele geben, die sich wundern, was der Schwarze Gürtel dann ist, wenn nicht ein Ende des Lernprozesses.

Nun der Schwarze Gürtel ist genau wie der Weiße einfach nur eine weitere Stufe im Lernprozeß. Das einzige, was ihn vielleicht besonders bestimmt, wenn überhaupt, ist einfach nur, daß ein Punkt erreicht wurde, ab dem ein höheres Lernen stattfindet. Wenn man also das Gürtelgraduierungssystem mit dem amerikanischen Schulsystem vergleicht, dann würden die Gürtel vor dem Schwarzen die Elementary School bis hin zur High School (Grundschule bis ungef. Abitur) repräsentieren. Sie stellen sozusagen das Basiswissen und die Basisfähigkeiten dar, auf denen aufgebaut werden kann. Der Schwarze Gürtel  würde die höhere Schule des Colleges und der University (der Universitäten) repräsentieren. Man könnte jetzt argumentieren, dass dort erst das wahre Lernen beginnt, aber alle Stufen der Entwicklung sind gleichwichtig. Die verschiedenen Stufen des Schwarzen Gürtels kann man nun genauso betrachten. Der Meistergrad kann mit dem Graduate Degree (Diplom) und der Großmeister mit dem Doctorate (Doktortitel) verglichen werden. Das soll aber nicht heißen, dass wenn jemand den Rang eines Großmeisters erreicht hat, das Lernen aufhört. Genau wie der Doktor, der durch die erforderliche Ausbildung zum Doktor gegangen ist, muß der Kampfkünstler immer noch üben und danach streben zu lernen. Der Grund dafür ist einfach die Tatsache, dass selbst was der Geist behalten kann, der Körper wieder vergisst. Jemand der den Rang eines Schwarzgurtes oder höher erreicht hat und aufhören würde zu trainieren, mag wohl in der Lage sein sich an die Techniken zu erinnern, aber das Reaktionsvermögen  des Körpers wird verloren gehen. Dies macht die Techniken in einer Selbstverteidigungssituation nutzlos, denn ehe die Reaktion endlich soweit ist, hat der Angreifer seinen Angriff schon beendet und Schaden angerichtet, sei es in einer einfachen Schlägerei, einer Vergewaltigung oder eines Mordanschlages. Deshalb funktioniert ein Graduierungssystem lediglich in den Grenzen einer Ordnung, in der es angewendet wird. Diese Ordnung ist die Schulordnung. Außerhalb eines Schulsystems ist der Gürtel als Zeichen eines Wissensstandes wertlos. Ein Angreifer wird den Gürtelgrad seines Opfers weder kennen, noch wird es ihn interessieren. Der Angreifer hat als einziges Ziel Schaden anzurichten. Deshalb hört der Lernprozeß niemals auf.

Wenn also jemand die Stufe eines Schwarzgurtes erreicht hat und deshalb denkt damit den höchsten Endpunkt des Wissens erreicht zu haben, so ist er im Irrtum. Wenn jemand die Stufe eines Großmeisters erreicht hat und denkt jetzt den absoluten Wissensstand zu besitzen, so irrt auch er. Es gibt nicht eine einzige Person auf dieser Erde, die alles weiß, was es zu wissen gibt über Kampfkunst. Selbst wenn jemand der Begründer und das Oberhaupt seines eigenen Systems ist, gibt es für ihn dennoch Dinge zu lernen. Im Grunde genommen ist es jedem, der ein System, egal welchen Typs, lehrt, ständige Aufgabe einzuschätzen und zu bewerten, was er lehrt. Es wird immer jemanden geben, der mehr über bestimmte Aspekte der Kampfkunst weiß. So ist es jedem seine Verantwortung, sich nicht gegenüber Wissen von außen zu verschließen, nur weil man ein Stück Kleidung trägt, dass außerhalb der Kampfkunstschule total bedeutungslos ist, es ist die Verantwortung sich ständig weiterzubilden und das gesammelte Wissen zu vertiefen, sonst hat ein Angreifer eine gute Chance mehr Wissen zu besitzen als das Opfer. Deshalb darf der Lernprozeß nie aufhören. All das zusammen ergibt einen Standpunkt, was ein Schwarzgurt ist.

Ein Schwarzer Gürtel ist schlicht eine weitere Stufe im Lernprozeß. Er ist nicht das Ende sondern der Anfang. Es gibt kein wirkliches Ende des Lernens in den Kampfkünsten. Ein Schwarzer Gürtel hat nur die Bedeutung, die derjenige der darüber nachdenkt ihm beimisst. Dieser Text spiegelt einfach nur eine Meinung wieder. Ein Schwarzer Gürtel ist kein übernatürliche Kräfte verleihender Bestandteil, er ist einfach nur ein weiterer Grad, ein Grad, der nur für den Bedeutung hat, der ihn innehat, in der Schule in der er verliehen wurde. Es ist der Einzelne der den Rang wertvoll macht, der Gürtel den er dafür trägt ist nur symbolische Dekoration.

(aus dem englischen von Stefan Kleinke)

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